Was hat Schauspielerei mit Hypnosetherapie zu tun?
Mehr, als es auf den ersten Blick scheint.
Beide Disziplinen haben mit Präsenz zu tun.
Mit Vorbereitung – und mit einem Moment, in dem Vorbereitung nicht mehr führt.
Vorbereitung ist notwendig. Kontrolle nicht.
In der Schauspielerei wie in der therapeutischen Arbeit ist Vorbereitung essenziell.
Texte werden studiert, Figuren erforscht, Methoden gelernt, Werkzeuge verfeinert.
Auch in meiner Arbeit mit Klientinnen und Klienten bereite ich mich sorgfältig vor.
Ich bringe Erfahrung mit, Wissen, viele Möglichkeiten einem Prozess zu dienen.
Doch all das ist nur der Boden.
Der entscheidende Moment kommt später.
Dann, wenn Kontrolle nicht mehr weiterhilft.
Wenn etwas Größeres übernimmt.
Ich habe eine prägende Erfahrung auf der Bühne gemacht – nach monatelangen Proben für eine Hauptrolle, die mir im Vorfeld große Schwierigkeiten bereitet hatte.
Je mehr ich versuchte habe, alles richtig zu machen, desto enger wurde es.
Bis in einer Aufführung etwas geschah, das ich bis dahin so nicht kannte.
Mein Versuch, zu kontrollieren, hatte sich aufgelöst, ohne dass ich mir das vorgenommen hatte.
Und statt dass ich spielte, wurde ich gespielt. Besser lässt es sich nicht beschreiben.
Bewegungen, Worte, Lachen, Weinen – alles geschah wie von selbst.
Präzise, stimmig, lebendig. Wie ein Tanz. Wie eine Symphonie.
Das Publikum war begeistert. Und ich glücklich.
Diese Erfahrung hat mich gelehrt, dass es einen Zustand gibt, in dem wir nicht mehr wollen – und gerade dadurch wahrhaft präsent sind.
Klientenzentrierte Arbeit heißt, sich zur Verfügung stellen.
Dieses Sich-zur-Verfügung-Stellen ist auch die Essenz meiner therapeutischen Arbeit.
Klientenzentriert zu arbeiten bedeutet für mich nicht, passiv zu sein oder keine Richtung zu haben.
Es bedeutet auch nicht, mich unterzuordnen oder mein Wissen zu verleugnen.
Es bedeutet etwas anderes: die eigene Agenda loszulassen.
Ich stelle mich dem Prozess und dem Ziel meines Gegenübers zur Verfügung – mit all meiner Erfahrung, aber ohne zu wissen, wie der Weg im Einzelnen aussehen muss.
Diese Form der „Unterordnung“ hat nichts mit Unterwürfigkeit zu tun.
Sie ist ein Akt von Respekt.
Respekt vor einer Weisheit, die größer ist als mein Wissen.
Vor allem in der Arbeit mit dem Unbewussten zeigen sich immer wieder Aspekte,
die das kognitive Denken allein nicht erfassen könnte.
Gerade dann öffnen sich Räume, wenn das wollende, drängende "Ich" aus dem Weg geht.
Präsenz statt Techniken.
In der Hypnosetherapie – wie in der Kunst – entstehen die grössten Durchbrüche nicht durch Methodik oder Technik.
Methoden sind wichtig. Aber sie wirken nur dann, wenn sie von Präsenz getragen sind.
Wenn ich mich leer machen kann von der eigenen Vorstellung davon, wie etwas zu sein hat.
Wenn ich vertraue, dass sich etwas entfalten wird – im Wissen um die innewohnende Weisheit meiner Klientinnen und Klienten.
Meine Aufgabe ist es, sie daran zu erinnern, dass diese Weisheit da ist, auch wenn sie glauben, sie sei ihnen abhandengekommen.
Dann wird Arbeit lebendig.
Dann wird Therapie Begegnung.
Dann wird Veränderung möglich.
Diese Form der Arbeit lässt sich nicht erklären – sie lässt sich erfahren.
